CBAM im Zeichen der neuen US-Zollpolitik: Was Trumps Maßnahmen für Europas CO2-Grenzausgleichsmechnismus bedeuten

CBAM Weekly - Ausgabe 41 - 4. Apr. 2025

Helge Wieggrefe

CBAM Weekly

mit Helge Wieggrefe

Eine neue Ära der Zollpolitik

Mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hat sich der Ton in der internationalen Handelspolitik deutlich verschärft. Die USA haben ein weitreichendes Zollpaket beschlossen, das ab April 2025 in Kraft tritt. Es sieht Einfuhrzölle auf nahezu alle importierten Waren vor, wobei sich die Höhe der Zölle stark nach dem Handelsbilanzsaldo mit dem jeweiligen Land richtet. Besonders stark betroffen sind Exporte aus der Europäischen Union, die künftig mit einem pauschalen Zollsatz von 20 % belegt werden sollen. Importe aus China sollen sogar mit kumulierten Zöllen von bis zu 54 % belastet werden. Auch viele Schwellen- und Entwicklungsländer trifft es hart: Myanmar beispielsweise soll mit 44 %, Lesotho mit 50 % belegt werden.

Ein pragmatischer Protektionismus

Das neue System beruht nicht auf einem fein ausbalancierten Konzept, sondern auf einem einfachen Prinzip: "Was ihr uns antut, tun wir euch zur Hälfte zurück." Diese Methode mag innenpolitisch anschlussfähig sein, sie bedeutet aber in der Praxis ein faktisches Ende multilateraler Zollregeln. Trump begründet seine Maßnahmen mit dem Schutz der amerikanischen Industrie – und formuliert dies in drastischer Sprache. Seine Aussagen vom „Liberation Day“ als Beginn der wirtschaftlichen Wiedergeburt Amerikas zeigen, worum es ihm geht: Autarkie, Kontrolle und Reindustrialisierung.

CBAM als europäischer Zoll gegenüber den USA?

Auch wenn Trump ihn bisher nicht explizit berücksichtigt hat, wird CBAM in diesem Umfeld gerne in die gleiche Schublade gesteckt. Auch hier geht es um Abgaben auf Importe, auch hier ist die EU das regulierende Zentrum. Doch der Vergleich greift zu kurz. CBAM ist kein Zoll im klassischen Sinn. Nicht selten wird der Vergleich zur Mehrwertsteuer bemüht, die in der EU auf alle Produkte erhoben wird – unabhängig davon, ob sie importiert oder im Binnenmarkt hergestellt wurden. Auch Trump stellt bei seiner Berechnung der ökonomischen Logik zuwider auf die europäische Mehrwertsteuer ab. Doch hier liegt ein grundlegender Unterschied vor: Die Mehrwertsteuer ist eine Verbrauchssteuer mit vollständiger Erstattung beim Export – eine sogenannte "destination-based tax". Ein Zoll hingegen ist eine Abgabe auf den Grenzübertritt, der nicht systematisch rückvergütet wird. CBAM wiederum ist ein Klimaschutzinstrument, das den CO₂-Preis angleichen soll und sich explizit auf die Emissionen bezieht, die bei der Herstellung entstehen – unabhängig vom Ort der Produktion. Auch CBAM soll künftig durch eine Erstattung beim Export ergänzt werden. Damit liegen sowohl bei der Mehrwertsteuer als auch bei dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus gegenüber klassischen Zöllen erhebliche Unterschiede vor. Die unfaire Handhabung amerikanischer Unternehmen in der EU ist zumindest so weit sachfremd.

Die Herausforderung für Unternehmen

Für international agierende Unternehmen bedeutet die neue Zollpolitik der USA dennoch eine erhebliche Mehrbelastung – insbesondere, da viele der neuen US-Zölle zusätzlich zu bestehenden Sanktions- und Handelsschutzmaßnahmen gelten. Gleichzeitig steigen durch CBAM in Europa ebenfalls die Importkosten für emissionsintensive Güter wie Stahl, Aluminium, Zement oder Düngemittel. Schätzungen zufolge könnten die zusätzlichen CBAM-Kosten für Importeure mittelfristig mehrere Milliarden Euro pro Jahr betragen – je nach Preisentwicklung für CO₂-Zertifikate und je nachdem, wie weit CBAM auf neue Produktgruppen ausgeweitet wird. Zölle und CBAM sollten daher in den strategischen Überlegungen gemeinsam gedacht werden. Damit stehen Unternehmen unter doppeltem Druck: Sie müssen sowohl auf unilaterale Zollmaßnahmen wie den „Zollhammer“ aus Washington reagieren als auch die klimapolitisch motivierten Anforderungen aus Brüssel erfüllen. Viele Unternehmen stehen damit vor strategischen Grundsatzentscheidungen – etwa über die Resilienz ihrer Lieferketten, die geografische Verlagerung ihrer Produktion oder die Dekarbonisierung ihrer Wertschöpfung.

CBAM als Referenzrahmen für künftige Abgaben

Gleichzeitig zeigt sich: In einer Welt, in der Handelsinstrumente zunehmend geopolitisch eingesetzt werden, braucht es Mechanismen wie CBAM. Sie bieten eine glaubwürdige, rechtskonforme und klimapolitisch begründete Alternative zu willkürlichen Strafzöllen. CBAM könnte langfristig sogar eine internationale Benchmark werden – vorausgesetzt, er bleibt transparent, technisch solide und offen für Dialog. Der Versuch, CO₂-Bepreisung global zu etablieren, braucht solche Referenzsysteme. Fazit: Der internationale Handel steht vor einer Neuausrichtung Die neue US-Zollpolitik markiert nicht weniger als eine tektonische Verschiebung in der internationalen Ordnung des Handels. CBAM steht dabei unter besonderer Beobachtung – als möglicher Vorreiter einer „klimapolitischen Handelsordnung“, aber auch als Projektionsfläche für alte Konflikte.

Support in der strategischen Ausrichtung

Für Unternehmen geht es jetzt darum, nicht nur auf neue Kosten zu reagieren, sondern ihre internationalen Strategien grundlegend zu überdenken. Wer sich jetzt vorbereitet – regulatorisch, klimabezogen und geopolitisch – kann Risiken mindern und Chancen nutzen. Wer abwartet, wird reagieren müssen. Wir unterstützen Sie gerne dabei, melden Sie sich einfach direkt bei uns (helge@kolum.earth)!

Viele Grüße Helge Wieggrefe

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